Zum Hauptinhalt springen
Menschen bei Vitos Haina (5)
Nico Grabolle macht eine Asubildung zum SchreinerNico Grabolle macht eine Asubildung zum Schreiner

Von der zeichnung bis zum fertigen Werkstück

Seit fast einem Jahr lernt Nico Grabolle den Beruf des Schreiners in der Bauabteilung von Vitos Haina. Die Besonderheit: Er ist zu Anfang direkt ins zweite Lehrjahr gestartet. Möglich war dies durch sein vorheriges Bachelor-Studium im Bereich Produktdesign. Von Mai bis Juni 2021 nahm er zudem am Lehrlingswettbewerb des hessischen Tischlerhandwerks teil und erreichte mit seinem Werkstück den zweiten Platz.

Vielfältige Aufgaben und Projekte

Für das Arbeiten mit dem Werkstoff Holz interessierte er sich bereits während seines Studiums in besonderem Maße. „Das Design-Studium ist vorwiegend theoretisch aufgebaut. Mir ist es jedoch wichtig, dass ich das, was ich auf dem Papier und am Computer entwerfe, auch selbst anfertigen kann“, sagt Nico Grabolle. Den Bachelor an der Bergischen Universität Wuppertal in der Tasche, entschied er sich für eine Ausbildung zum Schreiner und für Vitos Haina als Ausbildungsbetrieb. Die unternehmenseigene Bauabteilung betreut alle Baumaßnahmen rund um die Hainaer Einrichtung und kümmert sich auch um die Wartung und Instandhaltung der Gebäude. „Daraus ergibt sich eine enorme Bandbreite an Arbeitsaufträgen, die den Betrieb für mich so interessant machen. Wir stellen Fenster, Türen, Empfangstheken, Möbel oder auch Fußleisten her und bauen sie ein – die Vielfalt ist wirklich groß“, sagt der 29-Jährige.

Ein Auftrag, dessen Ausführung ihm besonders Spaß gemacht habe, sei der Bau einer großen Außentür mit Oberlicht für den Standort Gießen gewesen. Dieses Projekt begleitete er im Detail vom Entwurf bis zum fertigen Werkstück. „Durch seine Vorkenntnisse des Produktdesign-Studiums hebt sich Nico Grabolle von anderen Azubis ab, beispielsweise durch seine Herangehensweise an neue Projekte“, sagt Werkstättenleiter Norbert Kornmann. Pro Ausbildungszyklus betreut die Abteilung Schreiner eine/-n Auszubildende/-n, der oder die von Schreiner Marco Paar angeleitet wird.

Lehrlingswettbewerb - Die Entstehung des "Back Office"

Als sein Berufsschullehrer an ihn herantrat und ihn fragte, ob er nicht am Tischler-Landeswettkampf teilnehmen wolle, war Nico Grabolles Ehrgeiz geweckt. „Es reizte mich, völlig frei etwas Eigenes kreieren zu können. Die einzige Vorgabe war der thematische Rahmen“, sagt der 29-Jährige. Auch sein Ausbilder Marco Paar bekräftigte ihn in seiner Entscheidung. Das Motto des hessenweiten Lehrlingswettbewerbs lautete „DigitalRustikal“ und stellte die Teilnehmenden vor die Aufgabe, traditionelle Tischlerkunst mit modernen Technologien zu verbinden bzw. sie auf deren Nutzung abzustimmen. Als Zeitvorgabe zur Fertigung des Werkstücks wurden 40 Stunden angesetzt.

Doch bevor es um die praktische Umsetzung ging, wurde anhand der Zeichnungen eine erste Vorauswahl getroffen: Vierzehn Auszubildende schafften es in die nächste Runde. Nico Grabolles Entwurf überzeugte. „Als es darum ging, das Produkt zu entwerfen, habe ich mich gefragt: was würde ich selbst gern in meiner Wohnung haben; was fehlt mir sogar noch?“. Daraufhin kam ihm die Idee zu seinem „Back Office“, einem rückenfreundlichen Steh-Arbeitsplatz. Die Arbeitsplatte wird an der Wand montiert und ist in zwei Stufen höhenverstellbar. Das „Back Office“ ist außerdem platzsparend, da die große Arbeitsplatte heruntergeklappt werden kann. Die Module für Laptop, Handy, Stiftehalter und andere Büromaterialien können je nach Bedarf an verschiedenen Stellen ein—und ausgehangen werden. „Meine Wahl hinsichtlich des Holzes fiel auf Eiche mit Ästen. Der Belag in modernem Grau stellt einen optisch ansprechenden Kontrast dar und besteht aus Möbellinoleum. Darauf sieht man keine Fingerabdrücke und es passiert nichts, wenn mal ein Getränk darauf verschüttet wird“, erklärt der Auszubildende.

Ein rundum durchdachtes Werkstück mit selbsterklärender Funktion und einfacher Bedienbarkeit – das „Back Office“ überzeugte auch die Jury, die Nico Grabolle am 23. Juni 2021 zum Zweitplatzierten des Wettbewerbs kürte. Das habe ihn riesig gefreut, sagt der 29-Jährige. „Wir haben ihm bei der zeitlichen Einteilung seines Projekts völlig freie Hand gelassen und sind sehr stolz auf das tolle Ergebnis“, lobt Marco Paar. Das modern gestaltete „Back Office“ ist nun in Nico Grabolles Wohnung montiert und bereits in regem Einsatz.

Von Marie Friedewald