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Menschen bei Vitos Haina (6)
Jan Stielow: Zwischen Ironman und EingliederungshilfeJan Stielow: Zwischen Ironman und Eingliederungshilfe

Empathie zeigen und etwas bewegen

Das Angebot für psychisch kranke Menschen reicht bei Vitos Haina weit über die stationäre, tagesklinische und ambulante Versorgung hinaus. So bieten die begleitenden psychiatrischen Dienste unter anderem das Wohnen in betreuten Wohngruppen an. Jan Stielow ist Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeitet in zwei der Eingliederungshilfe zugeordneten Wohngruppen. Privat steht bei ihm als Triathlet der Sport im Fokus. Warum für ihn die Schichtarbeit besonders in dieser Hinsicht von Vorteil ist und was für ihn die Arbeit bei Vitos ausmacht, schildert er im Erfahrungsbericht.

Ein gemütlich eingerichtetes, großes Haus im Hainaer Ortsteil Löhlbach ist Jan Stielows Arbeitsplatz. Hier begleitet er zehn Menschen durch ihren Alltag, den sie auf Grund ihrer psychischen Krankheit ohne fremde Hilfe nicht mehr allein bestreiten könnten. „Wir möchten ihnen trotz der Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, sagt der 31-Jährige. Die Klientinnen und Klienten erhalten Unterstützung und Hilfestellung in allen Lebenslagen. Dies beginnt bereits beim Frühstück, welches von den Pflegefachkräften ausgegeben wird. „Wenn wir unsere Morgenrunde machen, sprechen wir außerdem mit jedem Einzelnen darüber, wie es ihm oder ihr heute geht. Kommunikation ist ein Schlüsselelement unserer Arbeit.“ Genau dieser enge Austausch ist es auch, den Jan Stielow besonders an der Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpfleger bei den begleitenden psychiatrischen Diensten schätzt. Auf diese Weise mit Menschen zusammenzuarbeiten, durch Empathie ihre Stimmungslagen zu erkennen und gezielt auf ihre Bedürfnisse einzugehen, macht seinen Beruf für ihn zum persönlichen Traumjob.

Nach dem Frühstück steht die Tagesplanung an: Termine werden besprochen und Jan Stielow fährt die Bewohnerinnen und Bewohner entweder zu deren verschiedenen Therapien -  von Tiergestützter Intervention bis Ergotherapie – oder unternimmt mit ihnen Ausflüge, Spaziergänge oder im Sommer Besuche in der Eisdiele. Donnerstags gibt es außerdem eine Backgruppe und am Wochenende wird gemeinsam gekocht. „Vor allen Dingen aber leiten wir die Bewohnerinnen und Bewohner bei ganz alltäglichen Dingen an und helfen ihnen dort, wo sie nicht weiterkommen“, sagt Jan Stielow. Auch tagesstrukturelle sowie administrative Aufgaben wie Einkäufe, oder Apothekengänge übernimmt der Gesundheits- und Krankenpfleger.  

Arbeitserfahrung in verschiedenen Bereichen

Jan Stielow ist mit seinen 31 Jahren bereits ein „alter Hase“ bei Vitos: Seine Ausbildung absolvierte er in Haina und wechselte ein paar Jahre später an den Standort Gießen. Dort arbeitete er auf verschiedenen Stationen im Maßregelvollzug, unter anderem auf der Entlassungsstation. „Diese Zeit hat mich beruflich enorm weitergebracht, zum Beispiel konnte ich enorm viel Menschenkenntnis erlangen, die mir auch in meiner jetzigen Tätigkeit zugutekommt“, sagt Jan Stielow. Insbesondere ist er stolz darauf, in den Jahren im Maßregelvollzug einiges bewegt zu haben: Er nahm sich gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten der Instandsetzung des Gartens an, legte einen Fischteich neu an und baute ein Gartenhäuschen. Darüber hinaus motivierte er viele der dort Behandelten zum Sport: Gemeinsames Joggen oder Radfahren standen oft auf dem Tagesplan. „Von ein paar Leuten habe ich später erfahren, dass sie auch nach ihrer Entlassung am Ball geblieben sind und die Bewegung einen Teil dazu beigetragen hat, dass sie sich insgesamt wohler fühlen. So etwas freut mich natürlich riesig“, sagt der 31-Jährige.

Als 2020 das Angebot kam, nach Haina zurückzukehren, nahm Jan Stielow dies gern an. Für ihn stand fest, weiterhin bei Vitos arbeiten zu wollen: „Es ist ein Arbeitgeber, mit dem ich mich zu hundert Prozent identifizieren kann“, sagt er. Die flachen Hierarchien sowie die zahlreichen Mitarbeiterveranstaltungen und Aktionen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl fördern, spielen für den Gesundheits- und Krankenpfleger in dieser Hinsicht eine große Rolle. Er findet es wichtig, sich bei solchen Aktionen, die das Wir-Gefühl fördern, einzubringen und somit auch Kolleginnen und Kollegen auf andere Weise kennenzulernen. „Am besten eignen sich dafür Sportveranstaltungen wie etwa der JP-Morgan-Lauf oder der Strong-Viking-Lauf vor einigen Jahren, bei dem auch Vitos Haina mit einem Team gestartet ist. Der Sport verbindet einfach.“ Darüber hinaus ist auch die Arbeit im Schichtsystem mit einer Vier-Tage-Woche für ihn im privaten Sinne ein großer Pluspunkt, denn Jan Stielow ist Triathlet und trainiert oft lange Distanzen, welche nicht „mal eben“ nach Feierabend zu bewältigen sind.

Immer in Bewegung

Seine drei freien Tage in der Woche sind für Jan Stielow Trainingstage, an denen er auch mal 180 Kilometer Fahrrad fährt oder mehr als 30 Kilometer läuft. Jahrelang übte er Kraftsport aus, bis er nach und nach die Leidenschaft zum Triathlon entwickelte und nun auf verschiedenen Wettkämpfen an seine Grenzen geht. „Ich bin begabungsfrei in jeglicher Ballsportart, aber beim Laufen, Schwimmen und Radfahren wird man immer besser, wenn man nur dranbleibt und seine persönlichen Bestzeiten überbietet“, sagt der Gesundheits- und Krankenpfleger. Bei ihm hat sich das Dranbleiben in jedem Fall ausgezahlt, denn Jan Stielow geht nicht etwa nur bei Veranstaltungen wie dem heimischen Burgwaldtriathlon an den Start, sondern nahm auch im August 2021 am Ironman in Frankfurt teil. Hierbei handelt es sich um die Königsklasse des Triathlons: die Langdistanz über 3,8 Kilometer Schwimmen, 184 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Dies sind die gleichen Anforderungen wie beim wohl berühmtesten und ältesten Ironman in Kailua-Kona auf Hawaii. „Das war eine ganz besondere Erfahrung“, sagt Jan Stielow. „Nach einigen Tagen Erholung befinde ich mich aber bereits wieder im Training“. Seine Plan für 2022? Zwei Wochen Trainingslager auf Lanzarote im Januar und eine Ironman-Langdistanz im Sommer. Und beruflich? „Bei Vitos strebe ich ebenso die Langdistanz an“.