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Menschen bei Vitos Haina (7)
Kevin Rey: Pflegefachmann in der ErwachsenenpsychiatrieKevin Rey: Pflegefachmann in der Erwachsenenpsychiatrie

Genau beobachten, richtig reagieren – auch gegenüber sich selbst

Kevin Rey hat in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen seine Berufung gefunden. Seine Aufgabe: Die unsichtbaren Wunden der Patientinnen und Patienten versorgen. Aber was kann man sich darunter vorstellen? Im Interview gibt der 29-Jährige Stationsleiter (Station für Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen) der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina einen Einblick in das Berufsbild der Pflege in der Erwachsenenpsychiatrie.

 

Wie sieht die Arbeit von Pflegefachfrauen und -männern in der Psychiatrie aus und wie versorgen sie unsichtbare Wunden?

Kevin Rey: Die tägliche Arbeit ist vielfältig und nicht immer gleich. Das macht den Beruf auch so spannend für mich. Die Patientenbeobachtung stellt einen wichtigen Aspekt im Umgang mit psychisch kranken Menschen dar, weil sich Situationen von der einen Sekunde zur anderen verändern können. Das hängt mit dem oftmals rasch wechselnden Verhalten der Patientinnen und Patienten zusammen: Im einen Moment herrschte noch extreme Euphorie – im nächsten Augenblick tritt Gereiztheit bis hin zu aggressivem Verhalten oder auch depressiven Stimmungslagen auf. Auch Suizidgedanken können dabei vorhanden sein.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns im täglichen Arbeiten auch der Beziehungsgestaltung zu den Patientinnen und Patienten widmen und sie Vertrauen zu uns aufbauen. Darüber hinaus geben wir als Pflegepersonal den psychisch kranken Menschen eine Tagesstruktur und agieren in diesem Zusammenhang auch als Vorbilder.

Wir arbeiten in einem multiprofessionellen Team zusammen. Jeder muss stets auf dem aktuellen Stand jeder Patientin und jedes Patienten sein. Um dies sicherzustellen, werden neue Informationen immer so schnell wie möglich an alle an der Behandlung beteiligten Personen weitergeben.

Manche Situationen können für einen selbst auch emotional sehr belastend sein, etwa ein einzelnes Schicksal einer Patientin bzw. eines Patienten oder auch ein Übergriff auf Station. Um damit umgehen zu können und nicht alles mit nach Hause in sein privates Umfeld zu nehmen, hilft es, für sich selbst Strategien zu entwickeln. Ich nehme mir beispielsweise bewusst Auszeiten, treibe Sport und treffe mich mit Freunden.

 

Warum haben Sie sich für den Pflegeberuf in der Psychiatrie entschieden?

Kevin Rey: In erster Linie bin ich durch die Fachoberschule und das damit verbundene Jahrespraktikum bei Vitos Haina zum ersten Mal mit dem Pflegeberuf in Berührung gekommen. Obwohl für mich die FOS ursprünglich nur zur Überbrückung angedacht war, weil ich noch nicht genau wusste, was ich eigentlich mal hauptberuflich machen möchte. Das Praktikum bereitete mir jedoch so viel Spaß, dass ich mich dazu entschied, eine Ausbildung in der Pflege zu machen.

Menschen zu helfen und sie unterstützen zu können, indem man einfach für sie da ist, Gespräche mit ihnen führt, sie im alltäglichen Leben unterstützt und ein Vorbild für sie sein kann, war für mich der ausschlaggebende Punkt, diesen Beruf auszuüben.

 

Wie ist Ihr bisheriger Werdegang bei Vitos Haina?

Kevin Rey: Als ich 2011 mein FOS- Jahrespraktikum bei Vitos Haina beendet hatte, begann ich hier direkt wenige Monate später die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Diese schloss ich nach drei Jahren ab und arbeitete von da an knapp zwei Jahre lang auf Station 31 im Bereich Gerontopsychiatrie. Im Dezember 2016 wechselte ich auf Station 11, wo Menschen mit Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen behandelt werden.

In den darauffolgenden Jahren absolvierte ich zunächst die Weiterbildung zum Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, direkt gefolgt von der Weiterbildung zur Stationsleitung, welche ich im August 2021 abschloss. Währenddessen konnte ich bereits über eineinhalb Jahre lang Erfahrungen auf der Position der kommissarischen stellvertretenden Stationsleitung der Station 11 sammeln.

Seit knapp vier Monaten bin ich dort Stationsleiter. Zu meinen täglichen Aufgaben gehören weiterhin alle pflegerisch relevanten Tätigkeiten. Hinzugekommen sind viele administrative Aufgaben: Personalverantwortung, Begleitung von Audits, Dienstplangestaltung und das Führen von Mitarbeitergesprächen. Ich bin sozusagen das Bindeglied zwischen der Pflegedienstleitung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf meiner Station.

 

Was muss man für die Arbeit als Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann in einer psychiatrischen Klinik mitbringen?

Kevin Rey: Wichtig sind Selbstbewusstsein und emotionale Stärke sowie ein hohes Maß an Empathie und Geduld im Umgang mit den Patientinnen und Patienten. Auch Selbstreflexion spielt eine zentrale Rolle für die Arbeit im Bereich Psychiatrie: Man sollte sich beispielsweise seiner eigenen Schwächen bewusst sein, um sich frühzeitig aus gewissen Situationen zurück zu ziehen und man darf etwaige Beleidigungen von Seiten der Patientinnen und Patienten niemals persönlich nehmen.